Rheuma, eine entzündliche Systemerkrankung - Gesundheits Blog - Waerland-Bund

Direkt zum Seiteninhalt

Rheuma, eine entzündliche Systemerkrankung

Waerland-Bund
Herausgegeben von in Zivilisationskrankheiten ·
Tags: Krankheiten
Unter Rheuma versteht man mehr als 400 verschiedene Krankheitsbilder, die allesamt Erkrankungen des Bewegungsapparates sind, also der Gelenke, des Knochens, der Muskulatur. Sie gehen in der Regel mit einer Entzündung einher, die ihnen aber auch zu Grunde liegen kann. Rheuma kann zudem andere Organsysteme, wie beispielsweise das Herz, befallen.

Rheuma ist eine Kurzbezeichnung für Rheumatismus, der, je nach Ursache, unterteilt wird in:

  • einen allergischen Rheumatismus (entzündliche Veränderungen der Gelenke, Häute und Organe)
  • eine Infektarthritis (Gelenkschädigung durch Keimbefall)
  • eine Begleitarthritis (Rheumatisches Fieber nach Streptokokkeninfektion)
  • einen idiopathischen Rheumatismus (ohne erkennbare Ursache)
  • einen degenerativen Rheumatismus (Arthrose, hier steht die Gelenkabnutzung/-verschleiß im Vordergrund).
 
Im Erwachsenenalter ist die häufigste entzündliche Rheumaerkrankung die Primär chronische Polyarthritis, übersetzt, eine anhaltende entzündliche Erkrankung vieler Gelenke, die auch als Rheumatoide Arthritis bezeichnet wird. In Deutschland leiden etwa 700.000 Menschen an diesem Krankheitsbild.

Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin betont, dass die Rheumatoide Arthritis nicht nur eine Erkrankung der Gelenke, sondern eine Systemerkrankung ist, bei der die Patienten über viele Jahre eine chronische Entzündung in sich tragen.

Systemerkrankungen, wie die Rheumatoide Arthritis oder der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sind Erkrankungen, die mehrere Organe des Körpers betreffen und damit an ganz unterschiedlichen Stellen des menschlichen Körpers zu Schädigungen führen können. So erklärt sich auch, warum diese Erkrankungen, obwohl sie ursprünglich keine Herzleiden sind, langfristig ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben. Rheumatische Erkrankungen können zum Beispiel die Innenhaut der Gefäße angreifen und verändern. Wenn diese Gefäßschädigung die Herzkranzgefäße betrifft, kann das zu einem Herzleiden führen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass „Volkskrankheiten" wie beispielsweise Diabetes, Übergewicht, metabolisches Syndrom (Stoffwechselkrankheit) oder die chronische obstruktive Lungenerkrankung, ebenfalls mit einer unterschwelligen Entzündung einhergehen und gegebenenfalls in einen erweiterten Rahmen gesetzt werden müssen, wie zum Beispiel: Erkrankungen mit chronisch-entzündlichen Anteilen.

Was die Diagnose einer Rheumaerkrankung zudem erschwert, ist ihr Erscheinungsbild im höheren Lebensalter, das häufig mit unspezifischen Krankheitszeichen, also mit Symptomen, die nicht eindeutig nur einer Krankheit zugesprochen werden können, einhergeht. Solche Krankheitssymptome sind Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber, wie auch weitere Entzündungszeichen, wie Schmerzen und Schwellungen. In der Regel hilft hier nur eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen citrullinierte zyklische Peptide, die für eine Rheumatoide Arthritis sprechen.

Häufige Krankheitszeichen einer Rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen in den Fingermittelgelenken, Morgensteifigkeit von etwa 30 Minuten und eine familiäre Häufung der Beschwerden.
Diese Symptome sind Ausdruck einer Autoimmunerkrankung mit chronischen Entzündungen in den Gelenken, die zu einer Entzündung der Gelenksinnenhaut und im weiteren Verlauf zu einer Gelenkszerstörung führen kann.

Außerhalb der Gelenke kann es zu einem erweiterten Organbefall kommen, wie einer Arterienverkalkung des Gefäßsystems, aber auch zu Beeinträchtigungen des Körperstoffwechsels, wie beispielsweise dem Auftreten von Fettstoffwechselstörungen. Aber auch der Knochenaufbau kann im Sinne einer Osteoporose verändert sein, mit all seinen Folgeerscheinungen, wie einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen. Dass der gesamte Organismus unter der Rheumatoiden Arthritis leiden kann, zeigen das Auftreten von Müdigkeitssyndrom oder Lymphomen, die Ausdruck einer Überforderung der Körperabwehr, des Immunsystems, sein können.

Bei einer chronischen, länger anhaltenden Entzündungsreaktion, werden in der Regel die Gelenksinnenhäute zerstört und ein geschwulstartiges Ersatzgewebe gebildet, den man als Pannus bezeichnet und der in der Regel auch tastbar wird. Es ist eine Art Tumor, der sich unter starken, mitunter unerträglichen Schmerzen, ins Gelenk des Patienten „hineinfrisst" und zur Zerstörung gelenknahe Knorpel- und Knochenstrukturen führt. Typische Schmerzen treten morgens auf und betreffen häufig ausschließlich den kleinen Finger oder großen Zeh, während die Endgelenke der Zehen und Finger von der Krankheit verschont bleiben.

Dieser gewebezerstörende Entzündungsvorgang wird durch Gewebehormone, sogenannte Mediatoren, wie die Arachidonsäure, Histamin oder Bradykinin wesentlich beeinflusst. Sie werden von den Körperabwehrzellen bei einer Entzündungsreaktion freigesetzt. Ein erhöhter Anfall dieser wichtigen, aber auch gefährlichen Botenstoffe, ereignet sich zum Beispiel bei einer anhaltenden, chronischen Entzündung, die ununterbrochen diese Stoffe ins betroffene Gewebe abgibt. Zu bedenken ist aber auch, dass Arachidonsäure und Histamin nicht nur im körpereigenen System gebildet, sondern in erheblichem Umfang durch Fleischkost mit der Nahrung aufgenommen wird.

Durch den für Deutschland üblichen Fleischverzehr wird unter anderem ein Vielfaches der benötigten Menge an Arachidonsäure und Histamin aufgenommen, die in vielfältiger Art und Weise destabilisierend auf den Körper wirken können.

Diesem Einfluss destabilisierender Stoffe und Vorgänge, die durch eine ungesunde Lebensweise auf den Organismus einwirken, versucht die Naturheilkunde entgegenzutreten.

Durch eine vegetarische Ernährungsweise und eine auf Bewegung und Ausgleich ausgerichteten Lebensführung, wie sie Are Waerland beschrieben hat, werden Stressoren abgebaut und die innere Ruhe und Ausgeglichenheit mit Freude und kreativer Schaffenskraft und Aktivität erlebt. Diese heilende Wirkung kann eine außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktion und Körperabwehr wieder stabilisieren und aufbauende Kräfte mobilisieren.

© Dr. med. Ingo Hammermeister


Zurück zum Seiteninhalt